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BALLETT VON SASHA RIVA
MUTED


 

© Daniel Barth

Choreografie
Sasha Riva   Bio

Musik
Peteris Vasks

Premiere
15. April 2012

Sasha Rivas Ballett "Muted", eine Choreografie zum Klavierquartett des lettischen Komponisten Peteris Vasks, ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod, zwischenmenschlichen Beziehungen und mangelnder Kommunikation. Der 21jährige Nachwuchschoreograf und Tänzer des HAMBURG BALLETT beschreibt in seiner Kreation die Reise eines Mädchens durch verschiedene Situationen und Emotionen ihres Lebens.

Uraufgeführt wurde das 30minütige Ballett beim "Podium – Junges Europäisches Musikfestival" in Esslingen am 15. April 2012. Am 22. April 2012 feierte es im Rahmen der Benefizmatinée zur Verleihung des Gustaf-Gründgens-Preises an John Neumeier im Schauspielhaus Hamburg seine Hamburg-Premiere.

 

Eine Rezension von Valerie Gutsche

Der Tod kommt auf leisen Sohlen. Kaum hörbar schreitet ein Tänzer vom Publikumsraum her auf die Bühne, während aus dem Dunkel der Bühne eine Tänzerin erscheint. Erst spät nimmt der Zuschauer den Tänzer war, kaum hörbar und zunächst nicht sichtbar, tritt er aus dem Dunkel hervor, bis er schließlich auf der Bühne erscheint und die philosophischste aller Fragen zu stellen scheint: Was ist der Sinn des Lebens? Für was sollte jeder Einzelne kämpfen, um sein Leben lebenswert zu gestalten? In "Muted" begleiten wir in Gestalt einer Tänzerin ein Mädchen auf ihrer Reise durch verschiedene Situationen und Emotionen ihres Lebens, die sie durchtanzt und aus denen sie lernen soll.

 "We should fight more for things we care about", so der 21jährige Choreograf Sasha Riva selbst zum Inhalt seiner Choreografie "Muted". Kreiert hat er das melancholisch-explosive Ballett zur Musik des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Das Zusammenspiel von Musik und Tanz erscheint als organischer Prozess: Melodie und Bewegung umschmeicheln und beflügeln sich, peitschen sich gegenseitig auf und besänftigen einander wieder. Der Wehmut und die Hoffnung, die aus Vasks' Stücken sprechen, finden in der Choreografie von Sasha Riva einen kraftvoll-tänzerischen Gegenpart. Als Spiegelbild des tänzerischen Ausdrucks findet die Musik von Vasks ihrerseits durch Melodie zitternd, energisch, drohend-laut und zaghaft-leise anschwellend ihre Sprache für die Botschaft, was der Tanz durch die Bewegung schafft.

Für den Kreationsprozess war vor allem die musikalische Stimmung in Vasks' Komposition entscheidend. Auch im tänzerischen Entstehungsprozess hatte jeder Tänzer die Möglichkeit, dem Tanz eine ganz eigene Handschrift und einen individuellen tänzerischen Ausdruck zu verleihen. Mit dieser reduzierten Vorgabe verfolgt Sasha Riva den gleichen Anspruch von Peteris Vasks, der mit seinen Titeln ebenfalls nur eine Orientierung über die Botschaft geben und dem Zuhörer so viel Freiraum wie möglich erhalten möchte. Sasha Riva war es wichtig, nicht zuviel Inhalt und Geschichte vorzugeben. Jeder Zuschauer ist gefordert, eigene Worte zu den Tanzbildern zu finden und eine eigene Geschichte zu erzählen.

Sasha Rivas Ballett ist ein Plädoyer für mehr Kommunikation, ein Stück über menschliche Beziehungen, über Eifersucht und Sehnsucht. Wie sehr hören wir einander zu? Wie intensiv sprechen wir miteinander? Wie stark kann man jemanden vermissen, obwohl dieser direkt vor einem steht? Sasha Riva stellt diese Fragen mit mal massiven, mal leichten, klagenden und dann wieder fordernden oder erbarmungslosen Tanzschritten und Gesten. Unsichtbare Wörter fallen herunter und werden von den Tänzern wieder aufgefangen, weil niemand sie hören will. Bewegungen erscheinen wie das Flügelschlagen von Vögeln, die verzweifelt versuchen, sich zu befreien. Zögernd sind die Bewegungen, tastend, suchend – nach jemand anderem, nach sich selbst, nach einem Halt. Energisch-abgehackte Schritte werden abgelöst von zerbrechlich-fragilen Gesten, die aufgefangen werden wollen. Gliedmaßen werden gezogen, geworfen, geschoben. Pulsierende Hände schlagen hinter den Wänden hervor als würden sie nach dem Herzschlag des Lebens greifen. Lautlose Schreie verstummen. Körper werden zur Einheit, umklammern einander, separieren wieder und stoßen sich ab wie Antipoden.

Sasha Riva hat kraftvolle tänzerische Bilder gefunden, die durch das schlichte Kostüm- und Bühnenbild unterstrichen werden. Aus all diesen berührenden Bildern sprechen der Schrei nach Kommunikation und die Sehnsucht nach Geborgenheit. Die Allgegenwart des Todes in der Choreografie scheint zu mahnen, sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist im Leben. Denn wie kurz das menschliche Dasein auf der Bühne des Lebens ist, das zeigt Sasha Riva in "Muted". Das Mädchen, das sich zu Beginn der Choreografie aus dem Dunkel der Bühne herausgeschält hat, verschwindet zum Schluss so lautlos im Nichts wie es gekommen ist.

Foto © Daniel Barth

 

 

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